Vielen Dank für Ihre Frage.
In der höllischen, längst vergangenen Ära der analogen Medien führte der lästige Aufwand beim Fotografieren, Entwickeln und Verbreiten dazu, dass sich der Durchschnittsmensch nur die Mühe machte, die allerwichtigsten Momente seines Lebens festzuhalten. Heute haben wir die Macht, jeden Monat Hunderte von perfekten Fotos zu schießen und sie sofort mit der ganzen Welt zu teilen.
Ganz ehrlich: Wenn Sie das nicht tun, werden sich die Leute Sorgen um Sie machen.
Social Media ist das bodenlose Foto-Auffangbecken, in dem Sie unentwegt beweisen müssen, dass Sie am Leben sind – und dass es Ihnen dabei ausgesprochen gut geht. Und zwar, indem Sie Bilder von sich posten, wie Sie Ski fahren, sich die Fußballspiele der Jugend ansehen, in Ihrer Küche kochen, in Ihrem Esszimmer speisen, Ihre Kinder in den Bus setzen, im Flugzeug sitzen, bunte Cocktails schlürfen, mit dem Hund spazieren gehen, mit Ihren Kindern im Pool schwimmen, trainieren, am Fuße des Eiffelturms posieren und im Stau stehen.
Jedes Mal, wenn die Leute solche Fotos sehen, werden sie erkennen, dass Sie ein fantastisches Leben führen und folglich auch ein absolut fantastischer Mensch sein müssen. Wenn Ihr Name also in einem Gespräch fällt, werden sie genau dieses Bild von Ihnen im Kopf haben.
Werden die Bilder Ihres wundervollen Lebens dazu führen, dass andere eifersüchtig werden oder sich sogar minderwertig fühlen? Definitiv. Aber Sie sind schließlich nicht für deren Minderwertigkeitskomplexe verantwortlich – genauso wenig, wie Sie für Ihr eigenes Gefühl der tiefen Befriedigung verantwortlich sind, diese Komplexe überhaupt erst ausgelöst zu haben.
Das Einzige, worüber Sie sich jemals Sorgen machen sollten, ist, nicht genügend Fotos zu posten.