Datenschutz-Test: Euki
Euki ist ein Zyklus- und Schwangerschafts-Tracker, der auf einer ziemlich einfachen Prämisse aufbaut: Das Tracking der eigenen Gesundheit sollte nicht bedeuten, im Gegenzug getrackt zu werden. Ursprünglich von Women Help Women entwickelt und nun von der gemeinnützigen Organisation Euki betrieben, packt die App eine Menge in eine einfache, freundliche Benutzeroberfläche und kombiniert Zyklus-Tracking sowie die Protokollierung von Symptomen mit einer Bibliothek an kostenlosen Ressourcen zu den Themen Schwangerschaft, Adoption und Schwangerschaftsabbruch. Was weggelassen wird, ist ebenso bewusst gewählt: keine sozialen Funktionen (Social Features), kein geräteübergreifendes Backup und kein Zwang zur Kontoerstellung. Stattdessen konzentriert sich Euki auf Funktionen, die darauf ausgelegt sind, Ihre Daten lokal zu halten: Sie können sie mit einer PIN sperren oder jederzeit löschen. Wir empfehlen Euki wärmstens für alle, bei denen Datenschutz an erster Stelle steht.
Ich bin eine Technologin und investigative Forscherin, die den Großteil eines Jahrzehnts damit verbracht hat, Ad-Tech, Datenbroker und die Überwachungsökonomie aufzudecken, die darauf aufbaut, alles zu ernten, was wir online tun. Ich habe ein Jahr als leitende Beraterin bei der FTC (Federal Trade Commission) für Datenschutzfragen und -fälle gearbeitet und helfe seitdem gemeinnützigen Organisationen, die dafür kämpfen, die Datenwirtschaft in die Schranken zu weisen. In erster Linie Katzenliebhaberin, in zweiter Linie Technik-Skeptikerin.
Was Sie wissen sollten
- Sollte ich den Standardeinstellungen vertrauen?
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Dies ist einer der seltenen Fälle, in denen die Antwort ein (größtenteils) enthusiastisches Ja ist.
Die Standardeinstellungen von Euki waren in unseren Tests blitzsauber, insbesondere für eine Gesundheitsüberwachungs-App. Bei der Nutzung von Kernfunktionen wie dem Zyklus- und Symptom-Tracking konnten wir keine Datenerfassung durch Dritte feststellen, und die von uns eingegebenen Gesundheitsdaten schienen unser Gerät nicht zu verlassen.
Der einzige Haken betrifft (einen Teil) der Aufklärungsinhalte von Euki. Wenn Sie bestimmte Ressourcen öffnen, wechselt Euki zu einem In-App-Browser. Zu diesem Zeitpunkt besuchen Sie im Grunde nur eine normale Website mit dem üblichen Tracking, das damit einhergeht – darauf werden wir weiter unten noch etwas genauer eingehen.
- Welche persönlichen Daten haben sie?
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Euki speichert Ihre Daten größtenteils lokal. Sie müssen kein Konto erstellen, um die App zu nutzen, und die von Ihnen eingegebenen Gesundheitsinformationen wie Zyklusdaten, Symptome oder Notizen verbleiben auf Ihrem Gerät und werden nicht auf externen Servern gespeichert.
Die einzige Ausnahme bilden die Aufklärungsinhalte.
Bei den von uns getesteten Ressourcen-Hubs – Seiten über Adoption, Schwangerschaftsabbruch, Fehlgeburt, sexuell übertragbare Krankheiten und mehr – stellten wir fest, dass diese Websites ihre eigene Mischung aus Analysetools und Ad-Trackern laden, darunter Dienste von Google, Meta und Microsoft. Diese Tools sind darauf ausgelegt, Informationen darüber zu sammeln, wie eine Seite genutzt wird, welche Abschnitte Sie lesen, wie lange Sie bleiben und worauf Sie tippen, um sie dann an ihre eigenen Server zurückzusenden.
In einem typischen Browser würden sie außerdem Kennungen speichern, die erhalten bleiben und es ihnen ermöglichen, dasselbe Gerät über die Zeit hinweg wiederzuerkennen. Im Browser von Euki konnten wir beobachten, dass jedes Mal eine neue Kennung zugewiesen wurde. Das hielt Tracker zwar nicht davon ab, zu sehen, was wir auf einer Seite taten, aber es hinderte sie daran, diesen Besuch mit unseren nächsten Aktivitäten zu verknüpfen. Für die Tracker sahen wir bei jedem Erscheinen wie Neuankömmlinge aus, selbst beim zehnten Besuch.
Den einzigen Schwachpunkt sahen wir, wenn Personen auf einer dieser Seiten identifizierende Informationen wie eine E-Mail-Adresse eingaben. Zu diesem Zeitpunkt könnten einige Tracker in der Lage sein, diese E-Mail-Adresse mit Ihrem Gerät zu verknüpfen und so einen ansonsten anonymen Besuch effektiv zu demaskieren. Eukis Mitgründerin Ana Ramirez sagte, dass das Produktteam von Euki sich das ansehen werde.
Abgesehen von diesem Sonderfall ist Euki so gut abgeschirmt, wie eine App nur sein kann.
- Erfolgsbilanz
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In der Post-Roe-Ära wurde das Tracking jeglicher Daten zur reproduktiven Gesundheit scheinbar über Nacht zu einer riskanten Aktivität. Suchverläufe, Direktnachrichten, Standortdaten der von Ihnen genutzten Apps – all das kann in Bundesstaaten mit Abtreibungsverboten nun in strafrechtlichen Ermittlungen auftauchen.
Dies ist die Welt, für die Euki entwickelt wurde. In Interviews haben die Gründerinnen es deutlich gemacht: Das Design der App ist eine direkte Reaktion darauf, wie leicht die reproduktiven Gesundheitsdaten von Menschen gegen sie verwendet werden können. Wie die Gründerin in einem Interview aus dem letzten Jahr erklärte, wurde Euki entwickelt, um „einen Schritt zur Bekämpfung der digitalen Überwachung unserer reproduktiven Gesundheit“ zu leisten.
Und im Gegensatz zu den meisten anderen Apps, die mit dem Versprechen von Privatsphäre werben, hält Euki dieses Versprechen auch ein. Wir sind mit unserer Einschätzung, dass die App beim Umgang mit Ihren persönlichen Daten bemerkenswert zurückhaltend agiert, definitiv nicht allein.
Eukis Verpflichtungen zum Datenschutz sind konsequent geblieben: Die Datenschutzerklärung und die separate Richtlinie für Verbraucher-Gesundheitsdaten – beide stammen aus der Zeit der Ausgliederung von Euki in eine eigene gemeinnützige Organisation aus Women Help Women Mitte 2024 – sind bis Juni 2026 wortgleich geblieben. Keine Erfassung persönlicher Daten, keine Erfassung von Gesundheitsdaten, alles wird lokal auf dem Gerät gespeichert.
- Verkauft oder teilt dieses Produkt Nutzerdaten?
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Wir haben in unseren Tests nichts gefunden, das darauf hindeuten würde, dass hinter dem minimalistischen Setup der App irgendetwas Zusätzliches vor sich geht. Selbst als wir externe Seiten im In-App-Browser öffneten, verließen keine der von uns eingegebenen Gesundheitsinformationen, wie Zyklusdaten oder Symptome, die App.
Das Gute und das Schlechte
- Das Gute
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Der größte Gewinn für die Privatsphäre bei Euki ist die Tatsache, dass die App so wenig von Ihnen benötigt, um zu funktionieren. Sie können die App nutzen, ohne ein Konto zu erstellen, was bedeutet, dass es keine eingebaute Möglichkeit gibt, Ihre Aktivitäten mit einer E-Mail-Adresse oder einer anderen dauerhaften Kennung zu verknüpfen. Sie bittet auch nicht um Zugriff auf persönliche Informationen wie Ihren Standort, Ihre Kontakte oder andere auf Ihrem Smartphone gespeicherte Daten und verzichtet auf Funktionen wie Social Sharing oder geräteübergreifende Synchronisierung, für die Ihre Daten an einen anderen Ort gesendet werden müssten.
Und das ist noch nicht alles – hinzu kommen die proaktiven Tools, die Euki den Nutzer*innen an die Hand gibt, um zu kontrollieren, was mit ihren Gesundheitsinformationen geschieht (bzw. mit dem wenigen, was überhaupt gesammelt wird). Möchten Sie, dass sich Ihre Daten jede Woche von selbst löschen? Euki macht's möglich. Möchten Sie die App mit einer PIN sperren? Auch das ist vorhanden. Brauchen Sie eine als Täuschung dienende Startseite (Decoy), die Sie aufrufen können, wenn Sie jemand zwingt, Ihr Smartphone zu entsperren? Natürlich hat Euki auch daran schon gedacht.
- Das Schlechte
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Euki erwartet hier etwas Eigeninitiative von Ihnen: Funktionen wie PIN-Sperren, automatische Löschung und Decoy-Bildschirme funktionieren nur, wenn Sie diese zuvor aktivieren. Wenn Sie das nicht tun, sind die Daten weiterhin für jede Person zugänglich, die Ihr Smartphone entsperren kann.
Der Haken an der Sache ist: Sobald Sie die App abgeriegelt haben, sind Sie auf sich allein gestellt. Da alles, was Sie protokollieren, lokal bleibt, gibt es keinen Weg mehr zurück in die App, wenn Sie Ihr Gerät verlieren oder Ihren PIN-Code vergessen. Für einige Leute könnte dieser Kompromiss die App ziemlich schnell von einer Hilfe zu echten Kopfschmerzen machen.
Euki setzt auch voraus, dass Sie aufmerksam sind, wenn Sie den In-App-Browser nutzen: Eine App kann zwar einschränken, was Websites von Ihnen erfassen, aber sie kann Sie nicht vor sich selbst schützen. Wenn Sie bei einem dieser Besuche Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse oder Ihre Telefonnummer in ein Formular eingeben, sollten Sie nicht erwarten, dass Sie noch lange anonym bleiben.
Reduzieren Sie Ihre Risiken
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Hier müssen Sie nicht lange nachdenken.
- Nutzen Sie die Datenschutzfunktionen von Euki. Richten Sie eine PIN für die App ein (am besten eine, die Sie sich auch wirklich merken können), um Ihre Daten zu schützen, und ziehen Sie in Betracht, Ihre Daten in regelmäßigen Abständen löschen zu lassen, damit sich im Laufe der Zeit weniger davon ansammeln.damit sich im Laufe der Zeit weniger ansammelt.
- Scheuen Sie sich nicht vor Anpassungen. Euki lässt Sie steuern, was auf der Startseite angezeigt wird – z. B. ob Zyklus-Tracking, Symptome oder Notizen im Mittelpunkt stehen sollen –, sodass sensible Details nicht jedes Mal sofort ins Auge fallen, wenn Sie die App öffnen.
- Gehen Sie vorsichtig mit dem Browser um. Wenn Sie Websites von Drittanbietern im Browser von Euki öffnen, sollten Sie dies nicht wie einen anonymen Besuch behandeln. Nutzen Sie, was Sie brauchen, und gehen Sie wieder; vermeiden Sie wildes Herumklicken und seien Sie vorsichtig mit dem, was Sie in Formulare eintragen. Die App macht es Trackern zwar schwerer, Ihnen über verschiedene Seiten hinweg zu folgen, aber sie verhindert nicht, was eine einzelne Website während eines bestimmten Besuchs tracken kann. Je mehr Sie interagieren, desto leichter sind Sie zu identifizieren.
- Nutzen Sie die Datenschutzfunktionen von Euki. Richten Sie eine PIN für die App ein (am besten eine, die Sie sich auch wirklich merken können), um Ihre Daten zu schützen, und ziehen Sie in Betracht, Ihre Daten in regelmäßigen Abständen löschen zu lassen, damit sich im Laufe der Zeit weniger davon ansammeln.damit sich im Laufe der Zeit weniger ansammelt.
Das Endergebnis
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Bei den meisten Apps wird der Datenschutz am Ende zu Ihrem Problem. Richtlinien lesen, immer wieder Anträge auf Datenlöschung einreichen – das ist die Art von Aufwand, die zu den ungeschriebenen Kosten eines Smartphones geworden ist. Euki beweist, dass es auch anders geht.
Es ist ein voll funktionsfähiger Zyklus-Tracker, der die meisten der üblichen Datenschutzprobleme umgeht – nicht, indem er die harte Arbeit auf Sie abwälzt, sondern indem er von vornherein gar nicht erst so viele Daten sammelt. Keine aufwendigen Einstellungen, an denen man schrauben muss. Keine Kompromisse, die man abwägen muss. Es gibt nichts, was durchsickern könnte, also tut es das auch nicht.
Privatsphäre sollte nicht davon abhängen, dass Sie vorsichtiger sind oder lernen müssen, ein System zu überlisten, das nie für Sie entwickelt wurde. Für die meisten Menschen ist diese Art von ständiger Wachsamkeit einfach nicht realistisch; man nutzt eine App halb abgelenkt, müde oder wenn man einfach nur durch den Tag kommen will. Die meisten Ratschläge zum Datenschutz gehen davon aus, dass man dafür viel mehr mentale Kapazitäten hat.
Euki ist eine Erinnerung daran, dass Unternehmen auch andere Entscheidungen treffen können. Wenn sie das tun, fühlt sich das gesamte Erlebnis viel eher so an, wie es sein sollte. Nicht, weil Sie alles richtig gemacht haben, sondern weil Sie es gar nicht mussten.