Während der Pandemie begann ich, über die Intimität von Datensätzen nachzudenken. Der Bildschirm wurde zu unserem wichtigsten Ort der Begegnung. Video- und Foto-Apps erlebten einen regelrechten Boom. Viele davon – wie etwa Lensa – basierten auf generativen KI-Modellen, die mit gewaltigen Fotosammlungen trainiert worden waren.
Meine künstlerische Arbeit begreift Fotografie als soziale Praxis, als etwas, an dem wir teilhaben. Mich faszinierte der Gedanke, dass so viele von uns bereits in diesen Datensätzen versammelt waren – dass wir dort aufeinanderprallten und unwissentlich zusammenarbeiteten, um die Werkzeuge zu erschaffen, die diese Firmen verkaufen.
Dies wurde zur Grundlage meines Projekts We are already gathered, einer Reihe partizipativer Workshops, die ich 2022 startete. Ich kontaktierte mehr als 200 Menschen, deren Bilder ich in LAION-5B gefunden hatte – einem Open-Source-Datensatz, mit dem generative KI-Modelle wie Stable Diffusion und Google Imagen trainiert werden. Wir tauschten uns über die Geschichten hinter unseren Fotos aus, über unsere Gefühle gegenüber KI, über unsere Doppelgänger und unsere Träume von technologischer Gerechtigkeit. Zum ersten Mal seit langem fühlte es sich wieder aufregend an, online zu sein.
Meine Zusammenkunft war ein Kunstprojekt, aber es gibt viele Arten der Begegnung. Schließlich haben wir schon eine Menge gemeinsam getan. Unsere Gesichter dienten als Fundament für völlig neue Bilder. Gemeinsam waren wir Teil einer technischen Infrastruktur, die unsere Vorstellungskraft sprengt. Gemeinsam wurden unsere Bilder ohne unser Wissen oder unsere Zustimmung genutzt. Gemeinsam haben wir Profit für andere erwirtschaftet. Sie könnten die anderen Fremden im Datensatz als Nachbarn, Kollegen oder Mitarbeiter betrachten. Vielleicht wollen wir aber auch Mitverschwörer, Freunde oder Genossen sein.
Sehen Sie diesen Artikel als Einladung, Ihre eigene Datensatz-Zusammenkunft abzuhalten.