Täglich sind Milliarden von Menschen auf Social Media unterwegs. Doch welche Posts gehen viral und beeinflussen in hohem Maße, was wir sehen, denken und worüber wir sprechen?
So absurd es klingt: Wir wissen es nicht.
Allein die Social-Media-Unternehmen selbst haben Kenntnis darüber, welche Posts unsere Feeds dominieren. Doch ohne öffentliche Transparenz haben wir ein Problem: Falschinformationen während Wahlperioden können sich ungehindert verbreiten. Gewalthaltiger Content kann nahezu unkontrolliert viral gehen. Und wenn die nächste Krise zuschlägt, bleibt die Öffentlichkeit wie allzu oft im Dunkeln.
Aus diesem Grund hat die Mozilla Foundation eine einfache Forderung an YouTube, Meta, TikTok, LinkedIn und X gestellt: Legt die 1.000 meistgesehenen Beiträge in jedem EU-Land offen!
Dabei handelt es sich um öffentliche Posts, die zum Teil bereits von Millionen Menschen gesehen wurden. Alles, was wir wollten, war eine Liste viraler Posts. Das ist wirklich keine große Sache.
Trotzdem hat bisher jede einzelne Plattform unsere Anfrage abgelehnt.
Offenbar sind die Plattformen der Ansicht, dass sie eine grundlegende Forderung nach Transparenz ignorieren können. Öffentlicher Druck kann sie allerdings vom Gegenteil überzeugen.
Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition und fordern Sie Plattformen wie YouTube, Meta, TikTok, LinkedIn und X dazu auf, ihre meistgesehenen Beiträge offenzulegen.
– Kampagne, die von der Mozilla Foundation, AlgorithmWatch, dem Institute for Strategic Dialogue, AI Forensics, der Social Computing Group (Universität Zürich), der Fundación Maldity.es und Forschern in ganz Europa initiiert wurde.
Was wir von den Plattformen wissen wollten – und wie sie reagiert haben
Zusammen mit AlgorithmWatch und Forschenden aus ganz Europa hat die Mozilla Foundation eine formelle Anfrage an YouTube, Meta, TikTok, LinkedIn und X gestellt:
Legt die 1.000 meistgesehenen öffentlichen Beiträge auf euren Plattformen offen, pro EU-Mitgliedstaat.
Es geht dabei um Posts, die zum Teil bereits von Millionen Menschen gesehen wurden. Inhalte, die bereits öffentlich zugänglich sind. Dies sind die Beiträge, die von den Algorithmen am meisten verstärkt werden und die zeigen, was die öffentliche Debatte im Netz wirklich prägt.
Wir haben unser Anfrage klar formuliert, kollektiv und in gutem Glauben gestellt.
Aber bislang ist keines der Unternehmen unserem Aufruf gefolgt:
- LinkedIn, YouTube, Meta und X haben unsere Anfrage abgelehnt.
- TikTok sagte zunächst, dass sie unsere Anfrage prüfen, haben dann aber abgelehnt.
Details zu unserer Anfragen können Sie in unserem Blog-Post nachlesen: Forderung nach grundlegenden Daten.
Warum das Ganze so wichtig ist
Wir sind der Meinung, dass die Gesellschaft ein Recht auf grundlegende Transparenz seitens der Social-Media-Plattformen hat, angefangen bei den meistgesehenen Beiträgen.
Täglich konsumieren EU-Bürger*innen auf den größten Plattformen eine riesige Menge an Inhalten, die ihr Denken und Handeln beeinflussen.
Die meistgesehenen Inhalte sind von Natur aus extrem öffentlich. Und wie erwartet, machen sie einen großen Teil der Aktivität auf Plattformen aus: Eine Studie einer Zufallsstichprobe von YouTube ergab, dass 94 % der Views von nur 4 % der Videos stammten. Aber absurderweise wissen wir nicht, welche diese meistgesehenen Inhalte sind, da Social-Media-Plattformen keine entsprechenden Listen herausrücken.
Somit fehlt uns ein kritisches Instrument, um verstehen zu können, wie diese Plattformen die Gesellschaft beeinflussen, und um schädliche Inhalte rechtzeitig abzufangen. So ist es z. B. nicht möglich, feindselige Kampagne zur Einflussnahme bei Wahlen, einen viralen Trend, der Kindern schadet, oder betrügerische Gesundheitsmaschen zeitnah zu erkennen, bevor sie sich verbreiten.
Der Mangel an grundlegenden Daten über diese Inhalte erschwert es außerdem, die Empfehlungssysteme der Plattformen zu bewerten, da wir hierfür die am stärksten verbreiteten Inhalte kennen müssen.